Bei vielen Tierhaltern gilt die Inzucht als die Ursache von Erbkrankheiten und verhaltensgestörten Tieren. Zu unrecht wird sie als Sündenbock missbraucht, zumal Erbkrankheiten alleine durch entsprechende Erbveranlagungen weitervererbt werden und auch wenn das Verhalten vom Erbgut abhängen sollte, so hat die Inzucht keinen Einfluss darauf. Fehlt schlechtes Erbgut, kann auch bei Inzucht solches nicht plötzlich auftreten. Sie verstärkt allerdings positive und negative Eigenschaften und bei Inzucht über Generationen kommt es zu einer deutlichen Verringerung des Genpools und zu Inzuchtdepressionen, die sich in verminderter Vitalität, verminderter Fruchtbarkeit und kleinen Würfen zeigt. Bei Inzuchtstämmen wie sie in der Forschung verwendet werden, konnten diese allerdings überwunden werden, wodurch vitale Stämme entstanden, denen selbst Inzucht über Generationen nichts anhaben kann. Allerdings sind solche Inzuchststämme empfindlich in ihrem Immunsystem, dass sie Wechsel ihrer Umgebung schlecht vertragen. In der Praxis ist Inzucht in grösserem Umfang nicht erstrebenswert. Man darf aber nicht vergessen, dass sie sowohl in der Natur, aber auch in der Heimtierzucht weit verbreitet ist. So stammen beispielsweise alle Hamster von Geschwisterverpaarungen ab. Mit anderen Worten, ohne Inzucht gäbe es heute vermutlich keine Hamster als Heimtiere. Ein guter Züchter wird daher um einen sinnvollen Umgang mit Inzucht wissen und sie grundsätzlich nicht einfach ablehnen, noch wird er sie rücksichtslos einsetzen, um spektakuläre Mutationen möglichst schnell und einfach zu erhalten.
Die Zeiten sind vorbei, als der Degu als seltenes und unbekanntes Haustier galt und Erbkrankeiten bei Degus eine Seltenheit waren. Unterdessen sind viele Degus krankheitsanfälliger, da durch willkürliche Vermehrung und unvorteilhafte Selektion die Veranlagung zu Erbkrankheiten und die Förderung von unsozialen und aggressiven Tieren gestiegen ist.
Dazu kommt, dass vielerorts ein Überangebot an Degus in Tierheimen, Zoohandlungen und bei Privatpersonen besteht. Da macht die Abnahme von Degus aus Tierheimen oder von verantwortungsbewussten Privatpersonen mehr Sinn, um so dem Überangebot entgegenzuwirken und einigen Notfalldegus dadurch bessere Lebensbedingungen zu bieten.
"Junge Degus ohne züchten"... Das klingt vielleicht paradox, aber der Umstand der vielen Degunotfälle lässt sowas zu: Trächtige Degus in Tierheime sind oft ein Problem. Erwachsene Tiere sind sowieso schon schwieriger zu vermitteln und trächtige Tiere erst recht. Wenn Sie einen trächtigen Degu nun aufnehmen, können Sie Nachwuchs beim Aufwachsen beobachten und den Tieren ein gutes Zuhause bieten. Allerdings ist es nicht überall der Fall, dass trächtige Degus in Tierheime sitzen und eine gewisse Doppelmoral hat die ganze Sache dennoch, denn Junge gibts nur, wenn vermehrt oder gezüchtet wird.
Geschlechtsreife: Der früheste Zeitpunkt liegt bei sieben Wochen bei weiblichen Degus, bei männlichen Degus etwa bei 9-10 Wochen, wobei die meisten Degus erst etwa mit drei Monaten, teilweise auch später geschlechtsreif werden. In Gefangenschaft verlieren weibliche Degus mit 4 bis 4,5 Jahre ihre Fruchtbarkeit (Lee 2004).
Die Tragzeit beträgt zwischen 87 und 93 Tage (Weir 1970). Lee (2004) dagegen nennt eine Tragzeit von 90 bis 95 Tagen.
Degus können bei uns das ganze Jahr Junge werfen und bis zu 4 Würfe pro Jahr zur Welt bringen (vgl. Gneiser 2006), in ihrer natürlichen Heimat dagegen werfen sie nur 1-2 Mal pro Jahr während der Brutsaison. Die Anzahl Junge kann zwischen 1-12 Jungtiere variieren, wobei Würfe mit mehr als 7 Junge sehr selten sind. Würfe mit 5-6 Neugeborenen sind die Regel (Gneiser 2006). Bei Geburt wiegen die Neugeborenen 14 g (Weir 1970) und sind, wie das bei Nestflüchtern üblich ist, bereits voll entwickelt. Die Jungen werden dann etwa mit 4-5 Wochen und einem Gewicht von 60-80 g entwöhnt (Lee 2004).
Die jungen Degus wiegen bei Geburt 14,6 g und kommen voll behaart, hörend, sehend und mit bereits entwickelten Zähnen zur Welt (Reynolds & Wright 1979). Bei einigen Degupopulationen sind die Neugeborenen bei Geburt weniger entwickelt. So ist von Weir (1970) bekannt, dass Nachkommen ihrer Degupopulation am Wellcome Institute in London wenig behaart und mit geschlossenen Augen zur Welt kamen. Innerhalb 3-4 Stunden lernen die Jungen laufen und ebenfalls sehr bald können sie sich schon aufrichten (Reynolds & Wright 1979). Die Bewegungen verbessern sich im Laufe der ersten Tagen nach der Geburt und auch die Laufgeschwindigkeit nimmt von Tag zu Tag zu, bis sie mit dem 5. Tag im Zusammenhang mit dem Spielverhalten zu springen und rennen beginnen. Mit dem 8. Tag dominert dann das Spielverhalten die Tagesaktivitäten der Jungtiere. Auch das Putzverhalten ist bereits bei Geburt ausgeprägt, wenn auch die Bewegungen noch ziemlich unkontrolliert ablaufen. Bereits aber am 1. und 2. Tag nach der Geburt zeigen die Jungen schon koordinierte Putzaktivitäten wie Gesichtswäsche oder das Kratzen am Rücken mit der Hinterpfote und am 6. Tag ist auch das Belecken des Bauchfells als Teil der Körperpflege voll ausgebildet.
Alter (in Tagen) |
Männchen (Gewicht in g) |
Weibchen (Gewicht in g) |
0 | 14,6 | 14,6 |
7 | 22,7 | 22,7 |
14 | 34,8 | 34,8 |
21 | 49,4 | 49,4 |
28 | 72,7 | 66,4 |
35 | 92,4 | 80,3 |
42 | 114,8 | 100,5 |
49 | 123,2 | 113,6 |
56 | 135,4 | 123,5 |
63 | 145,5 | 130,3 |
70 | 153,2 | 137,0 |
Die Kastration von männlichen Degus ist die einzige Lösung, welche eine gemischtgeschlechtliche Deguhaltung rechtfertigt. Natürlich birgt die Kastration, wie jeder chirurgische Eingriff gewisse Risiken und gerade bei so kleinen Tieren wie Degus ist ein solcher Eingriff noch etwas kritischer.
Wichtig zu wissen ist, dass der Degu nach der Kastration noch zeugungsfähig ist, da er noch eine gewisse Reserve an Spermien im Samenleiter hat. Daher sollte er in den folgenden 6 Wochen keinen direkten Kontakt zu den weiblichen Artgenossen haben.
Degu Ratgeber online: http://degu.re4.ch/ratgeber/fortpflanzung_zucht.html (Stand: 31. Dez. 2007)