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6.4 Krankheiten

Degus galten anfangs als wenig krankheitsanfällig, da sie noch nicht so lange bei uns gezüchtet wurden. So waren Erbkrankheiten beim Degu selten. Unterdessen nehmen Erkrankungen, die in Folge von Inzucht oder einseitiger Zucht auftreten, zu.

Zu den Krankheiten, die bei Kleintieren im Allgemeinen und somit auch bei Degus häufig auftreten, gehören unter anderem:

Abgerissener Deguschwanz, kahler Schwanzknochen
Ursachen: zu starke Belastung des Schwanzes, z.B. durch Einklemmen oder Fest- oder Hochhalten am Schwanz.
Behandlung: Im Normalfall ist keine Behandlung notwendig. Sollten Schwierigkeiten beim Heilprozess auftreten (z.B. durch Entzündung der Wunde), sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.
Weitere Informationen siehe: Deguschwanz, Schwanzriss (mit Bild)

Durchfall, weicher Kot
Ursachen: abrupte Futterumstellung, falsches Futter, Parasitenbefall, Stress, etc. Einige Degus reagieren empfindlich auf Grünfutter, gerade wenn sie zuvor noch nie Grünfutter hatten.
Behandlung: Bei Durchfall sollte schnell einen Tierarzt aufgesucht werden, da sonst der Degukörper schnell austrocknen kann. Bei weichem Kot sollte man zumindest darauf achten, dass der betroffene Degu genug trinkt. Wenn das nicht bald bessert, sollten Sie auch in diesen Fall schnell einen Tierarzt aufsuchen. Auf Grünfutter sollte sinnvollerweise verzichtet werden, solange die Krankheit nicht vollständig auskuriert ist.

Erkältungen und Atemwegserkrankungen
Bei solchen Erkrankungen sollte unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden, da die Krankheit sehr schnell ablaufen kann und ernst zu nehmende Folgen hat. Unbehandelt können kranke Tiere binnen weniger Tage sterben.
Anzeichen: häufiges Niesen, Niesen mit Ausfluss, Atemnebengeräusche (z.B. pfeifende oder röchelnde Atemnebengeräusche), schweres Atmen. Bei vorangeschrittener Krankheit können Abmagerung, gesträubtes Fell oder Apathie festgestellt werden.
Ursachen: schlechte Luftqualität, staubiges Heu, staubige Einstreu, virale oder bakterielle Erreger, Zugluft, Stress, ungünstige Haltungsbedingungen, geschwächtes Immunsystem, etc.
Behandlung: Sind Luft-, Heu- oder Einstreuqualität die Ursache, dann sollte man durch besseren Luftaustausch im Raum, Ersatz von Heu / Einstreu durch staubärmere Produkte sorgen. Zudem ist es sinnvoll die Luft zu befeuchten, z.B. durch Anbringen von feuchten Tüchern in Käfignähe oder mit offenen, mit Wasser gefüllten Gefässen in Käfignähe. Auf Wasserzusätze, vor allem solche die ätherische Öle enthalten, sollte verzichtet werden. Bei der Einstreu gibt es einige staubarme Varianten wie z.B. Leineneinstreu.
Bei viraler Erkrankung gibt es keine Medikamente oder Therapien, welche die Ursache bekämpfen. Daher wird der Tierarzt versuchen die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken. Medikamente werden allenfalls gegen mögliche Infektionen eingesetzt, damit diese nicht die Genesung unnötig erschweren.

Fellausfall und kahle Stellen im Fell
Ursachen: Allgemeine Ursachen sind zumeist Stress, Parasiten, Pilze, Bakterien, Viren, etc.
Beim "Fellfressen" handelt es sich um übertriebene soziale Handlung, die zumeist durch Stress verursacht wird. Stressursachen sind meist Veränderungen in der Gruppe z.B. nach dem Tod eines Gruppenmitglieds, Vergesellschaftung, etc. aber auch bei Änderungen der Umwelt, z.B. durch Standortwechsel des Käfigs oder Käfigwechsel, laute Umgebung, etc.
Bei kahlen Pfoten handelt es sich eher um ein kosmetisches "Problem" ohne wirklich gesundheitsrelevante Auswirkungen. Es äussert sich durch kahle Oberseiten an den Pfoten und kommt bei Degus relativ häufig vor. Die Ursachen sind unbekannt; möglicherweise fressen die Tiere sich das Fell selber ab. Zumindest soll das von einigen Deguhaltern beobachtet worden sein.
Behandlung: Stress lässt sich durch Ausschalten der stressverursachenden Faktoren vermeiden. Das können einerseits Haustiere oder Kinder sein, von denen man die Degus etwas mehr abschirmen kann oder durch Wechsel der Unterkunft, indem man ihnen eine grössere Unterkunft gibt um Platzprobleme zu entschärfen oder den Käfig an einen besseren Standort stellt, etc.
Die Behandlung von Parasiten etc. wird im entsprechenden Abschnitt genauer erklärt. Wie auch bei Viren, Bakterien, etc. ist da eine Untersuchung beim Tierarzt ratsam.

Parasiten
Bei Degus aus europäischen Nachzuchten sollte dies wohl kein grosses Thema sein, aber Wildfänge aus Südamerika leiden sehr oft an Würmern oder Milben.
Behandlung: Gegen Wurmbefall helfen vom Tierarzt verordnete Präparate. Bei Hautparasiten (Ektoparasiten) ist eine subkutane Behandlung mit Avermectinen sehr wirksam, welche vom Tierarzt durchgeführt wird. Des weiteren können Aufstellstrips verwendet werden, welche ausserhalb der Deguunterkunft aufgestellt werden müssen. Allerdings ist eine gründliche Reinigung des Käfigs sicher wirkungsvoller. Von Puderbehandlung ist abzuraten, da diese - bei Kleintieren angewandt - schädliche Auswirkungen haben kann, da das Puder (wie fast jedes potente Antiparasitikum) giftig ist und bei der Fellpflege aufgenommen werden kann.
Nebenwirkungen von Avermctinen: manchmal Abgeschlagenheit, ganz selten Haarausfall. Die Nebenwirkungen sind bei vernünftigen Dosierungen reversibel.

Penisvorfall
Penis zieht sich nicht mehr ein und ist rot.
Ursache: Normalerweise sind Haare oder Dreck unter der Vorhaut der Grund. Es könnte aber auch im Zusammenhang mit zu langen Backenzähnen stehen. Daher sollten diese beim Tierarzt gleich mitkontrolliert werden.
Behandlung: In diesem Fall ist es wichtig, dass Sie sofort handeln und einen Tierarzt aufsuchen. Der Penis darf nicht austrocknen, sonst kann das fatale Folgen haben. Die Behandlung erfolgt durch Rückverlagerung und Auftragen einer vom Tierarzt verschriebenen Salbe.

Vergiftungen
Vergiftungsfälle sind zwar nicht so häufig; dennoch sollte man sie nicht unterschätzen: Gerade giftige Zimmerpflanzen oder durch Unkenntnis verfüttert Pflanzen, die für Degus giftig sind, stellen häufige Vergiftungsquellen dar, die sich eingentlich ziemlich gut vermeiden liessen.
Ursachen: giftige Pflanzen, Medikamente (falsche Anwendung), Haushaltsmittel und -substanzen (Reinigungsmittel, etc.), etc.
Behandlung: Es sollte schnell ein Tierarzt aufgesucht werden, denn die Behandlungmöglichkeiten sind sehr unterschiedlich, dass je nach Art eine Behandlung wirksam ist, die in einem anderen Vergiftungsfall schädlich ist.

Verletzungen
Kleinere Verletzungen heilen meist schnell und problemlos, ohne dass man eingreifen muss. Bei schwereren Verletzungen und schlecht heilenden Wunden sollte man jedoch einen Tierarzt aufsuchen.

Zahnprobleme
Oft sind es nicht die Vorderzähne, die Probleme machen, sondern die Backenzähne, die auch stets nachwachsen. Die Ursache hängt sicher auch mit einer falschen Ernährung zusammen. Dagegen hilft von Anfang an natürliches, zellulosehaltiges Futter, wie Heu, Stroh, Kräuter, Gemüse, etc. zu füttern. Das nützt die Backenzähne viel besser ab, als Pellets, Körnerfutter oder gar hartes Brot.
Symptome: krankes Aussehen, Abmagerung, langsam essen, betroffene Tiere wollen nicht gerne beissen, starkes Bröseln beim Fressen, kann bis zu Appetitlosigkeit führen
Behandlung: Beim Tierarzt die Zähne kürzen lassen. Dazu muss das Tier betäubt werden, damit der Tierarzt sicher arbeiten kann.
Risiko: Bei älteren Tieren besteht das Risiko, dass das Tier nach der Betäubung nicht mehr aufwacht.

Zuckerstar, Linsentrübung (Grauer Star, Katarakt)
Das ist häufig eine Auswirkung von Diabetes, welche eine sehr bedeutende Degukrankheit ist. Dieses Thema wird hier nur kurz angerissen, dafür erfahren Sie auf der nachfolgenden Seite Ausführlicheres über Diabetes.
Symptome: Linsentrübung, milchige Augen
Behandlung: "Grauer Star" lässt sich nicht heilen, aber die betroffenen Tiere können damit leben. Sie können zwar nur noch hell und dunkel wahrnehmen, sie orientieren sich dann stärker mit ihren anderen Sinne: z.B. mit den Tasthaaren oder mit ihrem Geruchsinn.

Hinweis:
Der Degu ist zwar in der Zwischenzeit in der Kleintierwelt kein Unbekannter mehr, dennoch kann es sein, dass Ihre Tierärztin / Ihr Tierarzt nicht weiss was ein Degu ist. In diesem Fall dürfte es hilfreich sein, wenn Sie sie / ihn darauf aufmerksam machen, dass der Degu ein Nagetier ist und mit dem Meerschweinchen verwandt ist.

Fachkompetzenz von Tierärzten

Tierärzte können nicht auf alle Tierarten spezialisiert sein bzw. alle Tierarten kennen. Vielfach ist es auch nicht unbedingt nötig, dass ein Tierarzt dieses Wissen haben muss, denn die Diagnose und Behandlung von vielen Krankheiten unterscheidet sich nicht wirklich bei den verschiedenen Tierarten, so dass ein Tierartzt auch eine ihm völlig fremde Tierart gut behandeln kann. Bei sehr schwierigen und spezifischen Eingriffen kann natürlich ein Tierarzt mit Deguerfahrung besser sein, aber im Normalfall kann er auch nicht mehr tun als ein normaler Tierarzt.

Vorbeugende und gesundheitserhaltende Massnahmen:


Zwangsernährung:

Degus müssen ständig Fressen, damit die Verdauung unterbrechungslos funktioniert. Dadurch wird gewährleistet, dass halbverdaute Nahrung nicht im Darm zu gähren beginnt. Die Folgen davon wären fatal, denn ihre Darmmuskeln sind zu schwach um selber die Nahrung auszuscheiden.
Zur Ernährung kann einerseits das unten erwähnte Critical Care verwendet werden oder auch Karottenbrei.
Sie sollten mit der Zwangsernährung beginnen, sobald ihr Degu nicht mehr selber in der Lage ist, Nahrung aufzunehmen. Degus, die Probleme mit dem Essen haben, sollten extra gefüttert werden. Nehmen Sie sich dazu die Zeit. Geben Sie ihm mehr nahrhaftes Futter.
Sobald der Degu wieder feste Nahrung aufnehmen kann sollte man ihm solche anbieten, denn die Nagezähne müssen abgenützt werden.

Medikamente:

Allgemeines:
Es gibt kaum Medikamente die speziell für Degus entwickelt wurden. Daher greifen Tierärzte auf Medikamente zurück, die für Hunde, Katzen geeignet sind oder gar welche aus der Humanmedizin. Nur weil auf diesen Medikamente nichts über Degus steht, bedeutet das nicht, dass sie bei Degus nicht richtig wirken.

Bird Bene Bac:
Aufbau der Darmflora, Stärkung der Bakterienkultur im Darm die eine gute Aufspaltung des Futters ermöglicht.

Critical Care:
Futter in Breiform. Dient zum Aufpäppeln von abgemagerten Tieren und ist deshalb gut geeignet zur Zwangsernährung.

Externe Links:

Ausführlichere Informationen über Krankheiten finden Sie hier:

http://www.degusite.de/krank.html Krankheitenseite von degusite.de
http://www.degus-online.de/krankh.htm Krankheitenseite von degus-online.de


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